Die Buenter vor dem Ortsschild

Das Dorf Bünte

Zu den ältesten Höfen der Dorfschaft Bünte gehört ohne Zweifel der einstellige Hof der Meier zur Bünte. Daneben gab es damals noch einen Hof zur Windhorst, nämlich – zum Teil – die ehemals Borcher’sche Köthnerstelle Hof Nr. 7. 

 

Der einstellige Hof der Meier zur Bünte (Büntemeier) Eigentum der Landesherrschaft, später also den Grafen von Hoya, die immer in Geldverlegenheit waren. Geld liehen ihnen vor allem‘ die v. Frese’s auf Weyhe, ursprünglich ein stadtbremisches Geschlecht, daher sehr vermögend. Zu dieser Sippe rechnet die am 8.4.1541 gestorbene Abtissin Anna Frese, die ein Teil ihres väterlichen Erbes beim Eintritt ins Stift mit eingebracht hatte, als Privatbesitz. Dazu gehörte Tanken Hof in Bünte, den sie am 1.11.1520 (vergl. Hoyer Urk. b. II, 93) für Memorien dem Stift übereignete. Es wird sich dabei um die Bartelsche Halbmeierstelle, Bünte Nr. 1 handeln. Während die jetzt Andreas’sche Köthnerstelle, Bünte Nr. 3 (Büntemeier) am 24.4.1538 Graf Jobst v. Hoya seinem Kanzler Wale Barenscheid verlieh (vergl. Hoyer Urk. b. I 709). Daß diese beiden Stellen ursprünglich zusammengehörten, ist deutlich, weil sie in ihren Abgaben alternierten, also jährlich wechselten. Die Teilung, das sei hier noch vermerkt, geschah oft seitens der Grundherrschaft, um weichende Erben unterzubringen, meistens Brüder des Hoferben. Über die v. Freses auf Weyhe gibt es eine vielschichtige Literatur. Ausführlich hat über die Genalogie der v. Frese H. Esdohr in einer ausgezeichnet fundierten Studie vieles veröffentlicht in den Heimatblättern des Landkreises Grafschaft Hoya Jahrgang 1972/ 73, s. 73 ff. H. Mahrenholtz, Hannover, der bekannte Historiker und Genealoge, schrieb, daß Wale Barenscheid 1524 Kanonikus des Collegialstiftes Wildeshausen war, 1531 Sekretär zu Hoya, dann Hoya‘ scher Kanzler. Seine Tochter „Nese“ heiratete Jobst v. Hassberg, Ahnfrau des 1975 verstorbenen Kanonicus des Stiftes Bassum, Gebhard v. Benthe. Wann diese beiden Höfe sich von der Grundherrschaft freigekauft haben, muß noch festgestellt werden.

 

Erste Bünter Postkarte - Gruss aus Bünte

Erste Bünter Postkarte – Gruss aus Bünte

Uns interessieren hier besonders die Bauern auf der Köthnerstelle Nr. 1 wegen des letzten am 3.8.1907 verstorbenen Büntemeiers zur Bünte, eine fast legendäre, markante Persönlichkeit heimischen Bauernstandes. Der Stammbaum dieser Büntemeier beginnt urkundlich mit dem sowohl 1521 in dem Bede-Schatzregister  nachweisbaren Wilken thor Bünte, der dort mit 4 Gulden zu Buch steht, und auch 1530 in dem Verzeichnis der „herschopp lude“ des Amtes Syke.

 

Als nächster Wirt auf besagter Köthnerstelle, urkundlich feststellbar, erscheint nach Ausweis der Bassumer Kirchenrechnung 1595 Albert zur Bünte. Die 1659 beginnenden Kirchenbücher verzeichnen dann auf dieser Köthnerstelle den 1665 verstorbenen Christoph Büntemeyer, der am 8.10. begraben wird. Man darf nicht übersehen, daß die Filiation (Abstammung) nicht immer unbedingt sicher ist, weil der Hofname vor dem Familiennamen rangierte. Übrigens starb seine Frau Renate – deren Mädchenname nicht angegeben ist – 1671; sie wurde am 8.11. begraben. Das sind also Vorfahren des 1907 verstorbenen letzten Büntemeier Heinrich Eberhard, geboren zur Bünte am 26. 6. 1819. Seine Mutter Adelheid Büntemeier – geb. 25.8.1777 – war die Erbtochter auf der alten Köthnerstelle. Schon damals wäre der Mannesstamm auf der Stelle ausgestorben, wenn sie nicht am 3. 6. 1809 ihren Vetter, den am 14.10.1766 zu Osterbinde geborenen Eberhard Büntemeier geheiratet hätte. Ihr Sohn Heinrich Eberhard wurde eine nicht unbedeutende Erscheinung unter seinen Standesgenossen. Galt schon sein Vater als vermögend und erfolgreich in der Wirtschaft, der genannte Sohn aber noch umfassender. Von den Büntemeiers zur Zeit der napoleonischen Herrschaft in unserem. Lande erzählten die Leute viel, Dichtung und Wahrheit! Im Jahre 1813 auf der Flucht hätten die Franzosen auf Bünte die Kriegskasse im Stich gelassen. Andere wollten wissen, ein mit Säcken voller Gold bepackter Esel wäre auf dem Hofe stehen geblieben. Märchen aus Tausend und Einer Nacht, die sich die Leute in den Spinnstuben erzählten. Wie dem auch sei! Der letzte Büntemeier war nicht nur ein tüchtiger und reicher Bauer, sondern auch ein Hagestolz. Er heiratete erst im Alter von 69 Jahren am 18.5.1888 die am 7.10.1845 zu Jardinghausen geborene, aus einer angesehenen Bauernfamilie stammende Sophie Westermann. Das lag schließlich nahe, weil seine Ältermutter, nach der Spindelseite, die am 20.3.1745 geborene Beke Adelheid Büntemeier, auch zur Sippe der Westermanns gehörte.

 

Um diese Zeit, also in der zweiten Hälfte des vorigen Jarhunderts, erschien eines Tages der alte Büntemeier in Dünsen, wo der große Hof Nr. 1 zum Verkauf stand. Im Termin gab er das höchste Gebot ab. Da der Auktionator ihm den Zuschlag als einem unbekannten Mann nicht erteilen wollte, trat der alte Bauer vor, zählte dem Mann die ganze Summe sofort in Goldstücken auf den Tisch, zum Staunen der Anwesenden und fuhr nun als Besitzer eines Vollmeierhofes wieder heim. Das geschah einige Jahre nach dem am 22.12.1848 erfolgten Tod seines Vaters, der 82 Jahre alt wurde. Die in so späten Jahren eingegangene Ehe blieb kinderlos. Vorher setzte der letzte Büntemeier zur Bünte die am 12.5.1872 in Hannover geborene Johanne Kastens (Westermann) zur alleinigen Erbin seines großen Vermögens ein. Diese heiratete dann noch zu Lebzeiten des Testators am 1.11.1891 den am 24.5.1858 in Godshorn, unweit Hannover geborenen Landwirt und Viehhändler Heinrich Andreas, der mit großem Bedacht und Einfühlungsvermögen, zusammen mit seiner jungen Frau, nach einiger Zeit die Stelle übernahm und im Sinne des Erblassers den Betrieb weiterführte. Der letzte Büntemeier verstarb im Alter von 88 Jahren am 3. 8. 1907. Den seinerzeit gekauften großen Hof in Dünsen erbten auch die Andreas. 1907 hatte der Landwirt Albert Bultmann den Hof in Pacht; 1936 besaß ihn Heinrich Andreas. Der in Bünte aufheiratende Godshorner Andreas hatte sich sehr bald das Ansehen und die Achtung des Dorfes erworben, so daß er 1917 zum Kirchenvorsteher für den Bezirk Bramstedt gewählt wurde. Ein Amt, das er bis zum Umbruch mit Würde und mit viel persönlichem Einsatz verwaltete. Er starb am 20.10.1942 noch mitten im Kriege – im gesegneten Alter von 84 Jahren. Seine Frau, die Hoferbin, eine ausgezeichnete Hausfrau und Mutter, still und bescheiden in ihrem Wesen, am 18.2.1945. Die alte Büntemeier’sche Köthnerstelle übernahm dann ihr 1898 geborener Sohn August Andreas, der zusammen mit seiner Tochter Hanna den großen Schatz an alten Bauernmöbeln und Trachten in Truhen und Schränken hütet, bewahrt und pflegt.

 

Es gibt noch einen anderen wegen seiner Entstehung allerdings etwas jüngeren Hof in Bünte, nämlich die Buschmann’sche Brinksitzerstelle Bünte Nr. 5. Die Geschichte dieses schönen Hofes macht deutlich, wie Brinksitzerstellen in einem Dorf entstanden. Im Erbregister des Amtes Syke aus dem Jahr 1585, das unter der Signatur: Han 74 Amt Syke A VII im Staatsarchiv Hannover deponiert ist, heißt es wörtlich:

„Johan Nüstede, diesem haben vermöge Johan Koch Amtsmanns seliger berechneten Amtsregister de anno 73 auf 74 ( 1573 / 74) die Grafen von Hoya einen geringen Ort an der Gemeinheit vor dem Karrenbruch durch Hans Arends, Burgvoigt ausweisen lassen; beweinkauft mit 1 Thlr. Johan Nüstedt hat darauf gebaut, er ist Holzknecht vom Hause Syke gewesen wie nach ihm sein Sohn, welcher auch Johan Nüstedt geheißen hat. Weil Vater und Sohn bei der Westermark fleißig mitgepflanzt haben und gleichfalls gute Aufsicht führten, ist ihm von den Beamten erlaubt, um ihr Haus etliche Heister zu setzen, geben zwei Molt Roggen an die Schule zu Bramstedt“.

Durch diese Urkunde ist einmal ganz deutlich geworden, wie im Laufe des sechzehnten Jahrhunderts in unserer Gegend Brinksitzerstellen entstanden. Bis 1573 reicht also auf diesem Hof der Stammbaum einwandfrei zurück. Der Enkel des ersten Nüstedt auf dieser Stelle war nicht mehr Holzknecht, sondern Holzvoigt. Er hieß Jürgen Nüstedt, geb. 1618; er starb 1675 und wurde am 21.4. in Bassum begraben. Auffallend wie dann diese Familie sich weiter entwickelte und in andere gesellschaftliche Schichten hineinheiratete. Die Witwe des 1645 geborenen Brinksitzers Johann Friedrich Nüstedt „Lisa“ – der Mädchenname fehlt – heiratete am 5.7.1681 den Pastorensohn Conrad Heitmüller, Bürgermeister auf der Loge. Die Schwester Anna Dorothee Nüstedt wurde am 10.6.1662 die Frau des Pastoren zu Nordwohlde Conrad Rodecurt. Eine andere Schwester Maria heiratete am 23.4.1667 den Bürger zu Münder am Deister Jacob Schumacher. Der nach dem Großvater Jürgen genannte 1692 geborene Sohn Nüstedt wurde am 11.11.1700 durch Heirat mit der Witwe Dieffenbrock Bürger in Bremen. Er überließ die väterliche Stelle seiner Schwester Gertrud Marg. Nüstedt, die am 3.8.1691 Otto Ballmann, geb. 1660 in Ratswiehe, heiratete. Aus dieser Ehe stammten vier Töchter, von denen Ilse Sophie Ballmann geb. 25.4.1697 am 19.11.1722 mit dem 1701 in Nienstedt bei Syke geborenen Richard Heinrich Meyer getraut wurde, in der Stiftskirche zu Bassum. Deren am 28.8.1733 in Bünte geborene Sohn Johann Friedrich Meyer holte sich als Frau die 1734 zu Borstel geborene Adelheid Borstelmann. Da diese Ehe kinderlos blieb, vermachte das Ehepaar den Hof der Schwester der Frau, Gesche Borstelmann, die am 19. 10. 17 43 den Vollmeier zu Brinkum Hinrich Buschmann ehelichte. Deren Sohn Cord Hilmer, geb. 1745 in Brinkum, verheiratet seit 1779 mit Anne Cath. Wulfhop zu Wulfhop, überließ aber den Bünter Hof, nachdem die Erblasser 1807 resp. 1808 verstorben waren, ihren noch zu Brinkum am 23.12.1785 geborenen Sohn Arend Hinrich Buschmann, der am 20.10.1810 mit der zur Collage am 17.10.1792 geborenen Rebecke Mar. Colloge copuliert wurde. In dieser Familie befindet sich der alte Holzvoigt Hof noch heute. [/dropcap]

Die Geschlechterfolge auf den übrigen alten Bünter Höfen bis 1585 folgt.

Die Geschlechterfolge auf den alten Bünter Höfen

Die Geschlechterfolge auf den alten Bünter Höfen

von Frithof Bestmann, Stiftsprobst

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