Erektionsurkunde

Die Bünter Hofstelle in älteren Urkunden

Ein Beitrag zur Geschichte der alten Familie Buschmann

In einem Syker Amtsregister „Anno 1530“ findet sich als Hinweis für Bünte mit Sicherheit nur ein Bauernname, jedoch in der listenmäßigen Aufzählung unter „Lutken bramstede“

„Wilken thor bunte“

während die anderen Bünter Bauern nicht deutlich zu erkennen sind, obwohl die Namen „Hinrick thor Winthorst, Hinrick Oesterssen und Hinrick Stubbe“ vielleicht einen Fingerzeig geben könnten, jedoch sind sie wie oben schon, unter Klein Bramstedt verzeichnet und der Ort Bünte wird in diesem Amtsbuch nicht gesondert aufgeführt.

 

Aber gut 50 Jahre später sind in den Jahren 1580 -1585 verschiedene fast gleichlautende Syker Amtsbücher entstanden, von denen ich das „Erbregister de anno 1585“ als das genaueste und damit wertvollste ansehe. Aus diesem soll die Eintragung für Bünte im Auszug folgen:

„Zur Bünte.

Gehören in Caspellkirchef Barhsen.

Zehenden.

geben Sie an das Haus Sieck und auch etzlichen nach Barhsen.

Holtzung.

gehören auf die Westermark.

Gemeine Weide.

im Karnbruch undt auf der Heide.

Dienste.

werden all an das Haus Sieck getan.

Siecksche Meyer.

Johan Meyer – Halbspenner

Schwer zur Bünte – Halbspenner

Albert zur Bünte – Köter

Heinrich Windthorst – Köter

Heinrich Otersen – Brinksitzer

Heinrich Stubbe – Brinksitzer

Johan Nuhstede.“

Und der hier letztgenannte Johan Nuhstede ist der Gründer und Erbauer des späteren Hofes Buschmann in Bünte geworden. Aber bemerkenswert ist in der listenmäßigen Aufzählung der Bünter Höfe nach den drei Höfeklassen Halbspenner, Köter und Brinksitzer, daß dieser Hof Nuhstede nicht eingereiht, sondern ohne Nennung der Zugehörigkeit zu einer dieser drei Siedlergruppen an den Schluß der Liste gesetzt ist. Einmal kann man annehmen, daß dieser Hof noch in der Gründung begriffen, noch nicht genügend fundiert und vielleicht im Genuß der „Freijahre“ noch keiner Gruppe beigelegt ist; und die Zugehörigkeit zu einer dieser Gruppen zog ja nur Pflichten, Abgaben und Lasten an das „Haus Sieck“ nach sich, und zur Festlegung und schriftlichen Dokumentierung derselben sind ja diese Amtsbücher und Erbregister derzeit nur angelegt worden.

 

Allerdings in diesem Falle scheint es mir doch etwas anders gewesen zu sein. Das ganze Drum und Dran in der Form und im Inhalt der weiteren Hofbeschreibung deutet an, daß Johan Nuhstede dem Amte Syke eine wertvolle Persönlichkeit, ein Kenner seines Faches, wahrscheinlich der Forstwirtschaft, gewesen ist. Man  war daran interessiert, ihn in der Nähe seßhaft zu machen, mit besonderen Conzessionen auszustatten und bei der Gründung einer Hofstelle in Bünte behilflich zu sein.

 

Und so wurde ihm in den Jahren 1573 und 1574 ein „geringer Ort aus der gemeinheit für dem Karnbruch“ übergeben, d.h. Flächen, die eigentlich nur den anderen sechs Bünter Bauern allein gemeinschaftlich zur Nutzung gehörten. Aber dem jetzigen Vorhaben der Syker Beamten mußten sie sich wohl oder übel beugen und stillschweigend alles geschehen lassen. Noch war ja auch in der Tat genügend Fläche für die Gründung einer Hofstätte vorhanden und die Gerechtsamen an der „Gemeinen“, der unkultivierten Heide-, Bruch- und Moorflächen, konnten von den Altberechtigten nicht annähernd allein genügend genutzt werden.

Das Erbregister soll Näheres mitteilen:

Johan Nuhstede.

Diesem haben vermöge Johan Top Amptmanns sel. berechneten Hauptregisteren  de anno 1573 ad 1574 die Grafen zur Hoya wohlseligen gedechtnis einen geringen ort aus der gemeinheit für dem Karnbruch durch Hans Arens Burgvogt ausweisen lassen, welchen Er derzumahl beweinkauft mit einem thaler, hat darauf gebawet, ist sein lebelang Holtzknecht am Hause Sieck gewesen, wie annoch sein Sohn gleichfals Johan Nustehde geheihsen, undt mit Vater und Sohn bey der Westermark mit Zupflanzen undt guther aufsicht des Holtzes, sondern Fleihs angewandt ist Ihm durch die Beamten …. erlaubt, umb das Haus etzliche Heister zu setzen, wie  dan auch Ihm vom Drosten Frantz Trampen sel. ist befohlen worden, den dabey wachsenden Busch mit Fleihs aufzuhegen auch zuzumachen von seinem behause an der einen undt seine schewere an der anderen Seite, bihs auf das grentzbach, gibt Jährlich davon an. das Haus Sieck 6 gr. Wiesen Zins, Item von anderen erlaubten undt aus der gemeinheit genommenen länderen Rotzins 22 gr. 2 Hbt. Rogken 4 Hbt. Habern undt 1 Thlr. Zu Burgfest undt Herrndiesnt, Otem 2 Hbt. Rogken an die Schule zu Bramstedte.“

 

Erektionsurkunde der Bünter Hofstelle

Erektionsurkunde der Bünter Hofstelle

Ein „Erbregister des Kirchspiels Nordwohlde, Anno 1680“ ist sehr vielsagend und bringt auch für Bünte und seine Höfe die erhofften Klärungen. Aber die bäuerlichen Verhältnisse haben sich vielfältig geändert. Nicht übersehen werden darf hierbei, daß die kaum überwundenen Jahres des 30-jährigen Krieges und ihre Folgen auch für unsere engere Heimat nicht unberührt geblieben sind. Die allgemein festzustellende Mehrung der Schuldenlast der Landwirtschaft und dabei besonders auf den größeren Höfen, war durch die drückenden jahrelangen Kriegsnöte, die zahlreichen feindlichen Truppendurchzüge und die damit einhergehenden Brandschatzungen und Kontributionen zu einem fortwährenden Aderlaß geworden. Und wie verschieden diese Verhältnisse innerhalb der zuständigen sieben Kirchspiele des gesamten Amtes Sykes gewesen sind beweisen die entsprechenden Erbregister der achtziger Jahre des 17. Jahrhunderts. Während die „Geest-Kirchspiele“ Heiligenfelde, Barrien, und Nordwohlde, aber auch das „Marsch-Kirchspiel“ Riede durch die zerstreute Lage ihrer Dörfer, Bauernschaften und ihrer Einzelgehöfte den feindlichen Zugriffen und Belästigungen vielseitig verschont blieben, war dies für das Kirchspiel Weyhe mit seinen zahlreichen „Edelsitzen“ wohl weniger anzunehmen und umso mehr für die Kirchspiele Leeste und Brinkum schon durch die Stadtnähe Bremens und durch die geschlossene Ortslage der Höfe an zwei Hauptheerstraßen liegend in verstärktem Maße zutreffend. Was in diesem Zusammenhang für die genannten Kirchspiele des Amtes Syke aber als ganz besonders unterschiedlich zu nenne ist, das sind die fortwährenden Gründungen neuer Siedlerstellen für Leeste und Brinkum, während sich die Neugründungen in den übrigen Kirschspielen in einem festen Rahmen hielten.

Das „Erbregister des Kirchspiels Nordwohlde, Anno 1680“ verzeichnet für Bünte, wie schon im Jahre 1585, sieben Hofstellen, von deren Hofbeschreibung ich den Kopf mitteilen möchte und von dem späteren Buschmann’schen Hofe lasse ich den ganzen Wortlauf folgen:

„Bünthe.

  • Amts Halbmeyer Johan Stöver
  • Amts Halbmeyer Carsten Meyer
  • Amts Köter Johann Büntemeyer
  • Amts Köter Albert Windhorst Seel.
  • Amts Brinksitzer Eler Windhorst
  • Amts Brinksitzer Friedrich Oterhsen
  • Amts Köter Johan Friedrich Nüstedten Witwe

Colonus Seel. Ist daselbst von der Stedte bürtig gewesen, undt hat gefriehen Cathtrinen Crantzen, Seel. Majeur Otto Crantzen Tochter, welcher dero Zeit in Königl. Danisch Diensten in Holstein sich aufgehalten, sein von freyer abkunft,

Gebäuwte.

Wohnhaus ist von 5 fach – noch ziemlich

Schweuwer bey dem Hause 4 fach – noch gut

Scheuwere bey Högenhausen 2 fach – noch gut

Backhaus bey dem Hause 2 fach – noch in esse

Schafstall bey dem Hause 3 fach – noch gut

Noch einen bey der Heyde 3 fach – noch gut

1 Gebäude von 2 fach, worin eine Ölmühle

Garten.

Einer ist am Hause belegen von 3 Hbt. Einfall

Noch über der Straße einen Garten von 4 Hbt.

Länderey.

Gibt daraus Zehendten wie infra specificiret

St. Länderey Zehent
M. Hbt. sp.
1 Im Bramstedter Felde von Grupen stedten gekauft ist Zehent nach Barhsen 1
3 Krohekamp – Bey Grupen Flakenkamp, von derselben Stedt erkauft – Barhsen Zehent 3 3
2 Dangest, sein von Lüdeke Boyken Stette gekauft – Barhsen Zeh 2 3
2 Auf dem Oberkampe von Cord Peters Stedte gekauft – Barhsen Zeh 4
1 Hinter dem Busche von demselben erkauft – Bahrsen Zeh 1
7 Von Gerdt Klocken Stedte gekauft – Barhsen Zeh. 8 3
3 Im langen Brahm von Buts Stedte gekauft – Barhsen Zeh. 4
1 Auf dem Bultenkopfe – Barhsen Zeh. 2 1

N.B. Auf obige Länderey welche von Kloke, Boyken und Buts Stetde erhandelt, ist eine confirmation von Hertzog Philipp Sigismund Hochseel. Andenkens, daß solche von Nüstedten Erben sollen besehsen undt genoßen werden so lange biß denen selben die darauf ausgezahlten Gelder vollig wieder erlegt und bezahlet.

Sub dato Iburg d. 26. May Anno 1628

Übriges Land ist in Kämpen und bihsher Zehendtfrey

8 Im Closter Campe 7 1
16 Im Großen Kampe 1 6
14 Im Kampe bey dem Bramstedter Felde 1 1 1
7 Im kleinen Kampe 5 1
15 Im neuen Kampe 1 8 ½
8 Im Kampe vor dem Hause 9 2
6 Im Brammer Kampe 7 3
1 Der Töhenbruchs Kampe 1 2
Summa: 10 3

Wiesen.

Zu diesem Erbe gehöret eine wiese bey Högenhausen von Fuder
Die mittlere Wiese von Fuder
Noch bey dem Hause die große Wiese von Fuder
Dabey die kleine Wiese von ½ Fuder
Der Meyer Ohrt genandt 1 Fuder
Summa: 11 Fud.fac

Hötzung.

In privato gehören hinzu einige Sprangbäume umb das Haus und ein kleiner Eichenbusch ohnweit davon, welche aber unfruchtbahr undt nur zu etimiren etwa auf 5 od 6 schweins Masten.

In communi gehöret dieses Erbe mit auf die Westermark wie andere Benachbahrten.

Weichgehötz.

Hinter der großen Wiese ist ein Ellerbruch, worinnen zum Hauwen dieses Erbe allein, zur weyde aber die benachbahrten mit gehören. An Johan Nüstedten ehemals erblich geschenkt von Henrich und Lüdeken Meyer Laut darüber errichteten Schreiben unter der Hand und Siegel Burchard Finger Pastoris zu Nordwohlde und Theophili von Wirdar Schulmeister in Sieke de Anno 1699 (od 15.99?) d. 24. Junii.

Fewerung.

In privato hat dieses Erbe ein Mohr bey Ristedten undt Warwe belegen, worin zur Nothurft Torf gegraben wird undt ist solches vohrmals von den Bauerschaft Ristedt, Sörhausen und Warwe.

Johan Nüstedten, Holtz-Vogte des A. Sieke, aus ihrem gemienen Mohre angewiesen und erblich eingeräumet worden, gibt hieraus ans Ambt 1 Hbt. Torfhabern.

Zu übriger Algemeinen Gerechtigkeit in Heyden und Weyden etc. gehöret diese Erbe mit seine exceptione.

Schäferey.

Vidua hatte jetzo noch                                                                                                                  40 St.

Vieh.

Pferde 3
Kühe 6
Rinder 4
Schweine 9

Ist noch schuldig.

1024 Rthlr.    32 mg.

Bey der stedte seyn noch 2 des Seel. Mans Brüder. Welche noch müssen davon abgefunden werden.

Dieses Erbe gibt Jährl. dem Amt Sieke

Zinskorn 2 Hbt. Rogken
Rottzins 22 Groten
Wischzins 4

Vermöge Hertzog Philip Sigismund Hoochseel. Andenkens ertheilten Verschreibung de Anno 1610 d. 22. Nov.

Dienste sein von dieser Stedten würklich noch nihmahls geschehen, sondern es ist bisher dafür nebst den Burgvesten Jährl. dem Ambte errichtet 1 Rthlr. Laut vorerwähnten Begnadigungs-Schreiben de dato 22. Nov. Anno 1610 sub manu et sigillo Reverend. mi.

Und confirmation Weyland Hertzog Friedrich Ulrichs Hochseel. Gedechtnos de dato Wolfenbüttel d. 5. November Anno 1621.

Die Jagten, Wachten, Landfolgen und übrige Herschaftliche realia seien ebenfals noch niehmals von diesem Erbe geschehen, sondern vorige Coloni sein jeder Zeit wegen Ambtsbedienungen oder Begnadigungen der Hohen Obrigkeit davon befreyet gewesen.

Contribution und Viehschatz ist gleichfals bisher von dieser Stette nicht gegeben.

N.B. gibt jetzo die Contribution (spätere Einfügung)

Der Weinkauf von der Stedte wird dem Ambte entrichtet, so oft dieselbe wird angenommen.

Frembde Pacht.

Aus einem Kampe auf der Bramstedter Feldmark ist vormals der Zehendte dem Closter Heiligenroda gegeben, worauf aber herrnach -9 Grote Zins Jährl. gesetzet. Laut producirte contracty  mit der Abtey Siegel bedrücket, undt Cathrin Nagels Dominae, und Aphen Unverzagt, Ambtmanns unterschrift sub dato

Heiligenrode d. 9 Nov. 1613

Wegen eines aus der Gemeinen Heyde angewiesenen Kampes der Schule zu Bramstedt Jährl.     2.Hbt Rogken.

Laut consens und confirmation weyland Hertzog Philip Sigismund Hochseel. Andenkens sub. Dato

Iburg, d. 26 May Anno 1620

Dem Pastori und Custodi zu Barhsen wird Jährl. gebräuchliches opfer undt pflicht entrichtet.“

 

Diese Mitteilung einer Hofbeschreibung aus dem Jahre 1680 ist doch wahrhaftig umfassend und vielsagend; und für eine Geschichte des Bauerntums im Amte Syke und darüber hinaus für die gesamte Bauerntumsforschung ist sie als eine wertvolle Fundgrube ohnegleichen anzusprechen.

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