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Familie Buschmann in Bünte

Der Stammvater der Linie Buschmann – Bünte war Arend Hinrich Buschmann, geb. 13.12.1785 auf dem Bussenhof in Brinkum als Sohn von Cord Hilm Buschmann und seiner Frau Catharine Wulfhoops. Durch Erbschaft wurde er Besitzer des Hofes in Bünte und damit der Stammvater der Linie Buschmann – Bünte.

Der Erblasser des Hofes war Johann Friedrich Meyer-Bollmann, der mit Adelheid Borstelmann von Borstel, der Schwester von Arend Hinrichs Großmutter, verheiratet war. Diese Ehe war kinderlos, und nach dem am 9.7.1807 erfolgten Tode des Ehemanns wird Arend Hinrich nach Bünte gekommen sein, um dann – nachdem auch Frau Bollmann im nächsten Jahre verstarb – den Hof als Erbe zu übernehmen. Der Hof hatte früher wenig Acker, aber viel Waldbesitz und war deshalb nur als Brinksitzerstelle bewertet. Der uns zuerst genannte Besitzer Friedrich Nusteden zur Bünte war Holzvogt und gehörte zum Forstamt Syke. Seine Tochter Gertrud Margarethe heiratete am 3. 8.1691 in Bassum Otto Bollmann aus Rathswührden. Deren Tochter Ilse Sophie heiratete am 19.11.1722 Richard Heinrich Meyer zu Nienstedt bei Heiligenfelde.

Sein Sohn Johann Friedrich Meyer gen. Bollmann heiratete am 5.10. 1761 Adelheid Borstelmann von Borstel. Von ihnen erbte also Arend Hinrich Buschmann den Bünter Hof. Der Wechsel von Brinkum nach Bünte wird Arend Hinrich, besonders wohl auch seinen Eltern, sehr willkommen gewesen sein. Brinkum liegt an der Hauptstraße zwischen dem Niederrhein und Hamburg vor den Toren Bremens. Es hatte besonders schlimm unter der Franzosenherrschaft von 1804 bis zum Sturze Napoleons zu leiden. Brinkum war während dieser Zeit selten ohne feindliche Truppen. Die jungen Männer, die nicht zum Heeresdienst eingezogen wurden, mußten Hand- und Spanndienste leisten zum Neubau und zur Verbesserung der Heerstraßen. In dem abseits vom Verkehr liegenden Bünte ist Arend Hinrich von dieser Fronarbeit verschont geblieben. Es ist mehrfach vorgekommen, daß Brinkumer Bauernsöhne Zuflucht auf dem Bünter Hof vor den Schergen Napoleons gesucht und gefunden haben.

Mit frischer Kraft ist Arend Hinrich dann an die Verbesserung des ererbten Hofes herangegangen und hat die alten Wohn- und Wirtschaftsgebäude nach und nach durch schmucke Neubauten ersetzt.

Gar bald sah er sich auch unter den Töchtern des Landes nach einer Lebensgefährtin um. Seine Wahl fiel auf Rebecke Marie Kolloge, die am 17.10.1792 in Kolloge bei Bassum geboren wurde. Es wird der Rebecke Marie, der Tochter des großen Kolloger Bauern, wohl nicht so leicht geworden sein, die Zustimmung der Eltern zu der Heirat mit dem Köthner Arend Hinrich Buschmann zu bekommen. Die Energie, die später Frau Rebecke Marie häufig Gelegenheit hatte zu zeigen, und die ihr nachgerühmt wird, mag sie schon als 18jährige Tochter des Kollöger Bauern gezeigt haben, um ihren Arend Hinrich zu bekommen. Sie soll zwar, wenn sie mit ihm geneckt wurde, diese Neckerei abwehrend, gesagt haben: „Keene veer Peer treckt mi nao der Bünte.“ Und sie hat Recht behalten: Arend Hinrich hat sie mit zwei Pferden abgeholt. 

Über die Ehe ist folgende Trauungsurkunde ausgestellt worden:

 

Trauungsurkunde
von
Arend Hinrich Buschmann und Rebecke Marie Colloge
im Jahre 1810.

Im Jahre 1810 den 20. Oktober nachmittags 2 Uhr in Gegenwart und mit ausdrücklicher mündlich erklärter Einwilligung der Mutter des Bräutigams wie der Eltern der Braut, da der Vater des Bräutigams bereits verstorben, sind vor mir, dem Prediger und Zivilstandesbeamten des Kirchspiels Bascum, Heinrich Wilhelm Nöldeke, erschienen:

Einerseits Arend Hinrich Buschmann, 24 Jahre 10 Monate 7 Tage alt, Besitzer einer Köthnerstelle in Bünte Canton Bascum, minderjähriger
Sohn des Weiland Cord Hilm Buschmann, Vollmeier zu Brinkum Canton Alt-Syke des Departements Nord und der Ehefrau desselben Anne Catharine Wulfhoop, welche noch am Leben, und

andererseits Rebecke Marie Collage, 18 Jahre und 13 Tage alt, minderjährige Tochter von Johann Kollage, Besitzer einer zur Dorfschaft Schorlingbostel im Canton Bascum gehörigen Vollmeierstelle und der
Ehefrau desselben Anne Ilse Knake. Die Erschienenen haben mich
gebeten, zur Abschließung der zwischen ihnen verabredeten Ehe zu schreiten. Dem zufolge habe ich mit lauter und vernehmlicher Stimme verlesen:

  1. Die Geburtsurkunde des Bräutigams, nach welcher derselbe am 13.12.1785 in Brinkum geboren worden, aufgenommen am 4. Oktober aus dem Kirchen-Buche zu Brinkum von Herrn Pastor Ewers daselbst.
  2. Die heute von Herrn Pastor Pieper hierselbst aufgenommene Urkunde, nach welcher die Braut am 7. Oktober 1792 zu Schorlingborstel geboren worden.
  3. Die aus dem Kirchenbuche zu Brinkum von Herrn Pastor Ewers daselbst gegebene Bescheinigung, daß der Vater des Bräutigams am 11. Juni 1793 zu Brinkum verstorben ist.
  4. u. 5. Die am 1. u. 2. Sonntag des Oktober in hiesiger Gemeinde und am letzten Sonntag des September und am ersten Sonntag des Oktober in Brinkum erfolgten Aufgebote.

Auszüge sind daraus an beiden Orten binnen der gesetzlichen Frist an die Kirchentüren angeheftet worden, und ist in beiden Gemeinden gegen die Ehe durchaus kein Einspruch erfolgt. Nachdem ich nun die Dokumente, welche ich nebst den Kontrahenten mit einem Handzuge versehen und der gegenwärtigen Urkunde beigefügt, im gleichen die Worte des Kapitels von der Ehe vorgelesen habe, so habe ich, nachdem die Contrahenten erklärt, daß sie in Gütergemeinschaft leben wollen, selbige jeder für sich gefragt, ob sie sich gegenseitig zu Ehegatten nehmen wollen und nachdem sie gleichfalls jeder für sich diese Frage mit einem deutlichen „Ja!“ beantwortet, habe ich im Namen des Gesetzes den Ausspruch gethan, daß Sie Arend Hinrich Buschmann und Rebecke Marie Kolloge durch die Ehe vereinigt seien.

Als Zeugen dieser ganzen Verhandlung waren zugegen auf Seiten des Bräutigams der Bruder Heinrich Buschmann, 30 Jahre alt, Vollmeier zu Brinkum und Heinrich Friedrich Höft, Bürger und Lohgarnspinner zu Baskum. Auf Seiten der Braut aber deren Schwager Johann Heinrich
Ahrens, Halbmeier zu Nienhaus, Canton Baskum, 20 Jahre 3 Monate alt und deren Bruder Johann Conrad Kollage, 27 Jahre alt. Hierüber habe ich gegenwärtige Urkunde aufgenommen, selbige in die doppelten Register eingetragen, deutlich vorgelesen und darauf nebst den Contrahenten, der Mutter des Bräutigams, dem Vater der Braut, ihre Mutter ist des Schreibens unkundig, und den vier Zeugen unterschrieben im Jahre und am Tage wie zuvor.

Arend Hinrich Buschmann
Rebecke Marie Colloge
Anna Catharine Buschmann
Johann Colloge
Heinrich Buschmann
Heinrich Friedrich Höft
Johann Heinrich Ahrens
Johann Conrad Colloge

*     *      *

Die Zeit, als die Hochzeit stattfand, stand unser Vaterland unter der Knute Napoleons I. Aber das Gottvertrauen, daß unseren Urahn beseelte und das er in der Inschrift vor seinem neuen Hause zum Ausdruck brachte, soll auch uns nicht verlassen. Der Spruch, oder man kann sagen das Gebet lautet:

Was ist, o Gott, der Mensch vor Dir,
Daß Du so seiner denkst!
Herr aller Welten, was haben wir,
Wenn Du es uns nicht schenkst.
Gott Vater, gib durch Deine Treu
Was uns und unseren Nachkommen nützlich sei.

Die Ehe war eine sehr glückliche. Ihr sind 10 Kinder entsprossen, 2 Söhne und 8 Töchter, von denen jedoch die drittjüngste, Henriette Wilhelmine, als 2 Monate altes Kind verstarb. Die 7 Töchter mußten außergewöhnlich schön und tüchtig gewesen sein. Und trotzdem ist es zu verwundern, daß sie, die auf dem kleinen, abseits gelegenen Bauernhof aufwuchsen, so weit verstreut ihre Männer gefunden haben, die sich alle in sehr geachteter Stellung befanden.

Die 10 Kinder sind folgende:

  1. Catharine, geb. 8.3.1812, verh. mit Scholvin-Westerwisch
  2. Johann, geb. 29. 1. 1814, der Hoferbe
  3. Cord Hilmer, geb. 4. 3. 1816, wanderte aus nach Vereinigte Staaten
  4. Anna Adelheid, geb. 5. 7. 1818, verh. mit Hotelbesitzer Meyerholz-Thedinghausen
  5. Gesine Dorothe, geb. 6. 5. 1821, verh. mit Hofbesitzer Romundt-Freiburg/Elbe
  6. Sophie Marie, geb. 29. 7. 1823, verh. mit Puvogel-Grinden
  7. Marie Margarethe, geb. 22. 2. 1825, verh. mit Schlachtermstr. Hafers-Bremen
  8. Henriette Wilhelmine, geb. 13. 9. 1827, starb 2 Monate alt
  9. Anna Margarethe, geb. 15. 8. 1823, verh. mit Hofbeamten Corssen-Oldenburg
  10. Anna Rebeke, geb. 30. 4. 1830, verh. mit Gutsbesitzer Pape-Adelhorn

Arend Hinrich wird vom elterlichen Hof in Brinkum, vielleicht auch vom Bünter Hof, eine gute Erbschaft in barem Geld erhalten haben, auch hat er fraglos gut gewirtschaftet. Diese drei Faktoren haben ihn in den Stand gesetzt, seinen 7 Töchtern außer der üblichen Aussteuer jeder eine Mitgift von 2000 Thaler Gold zu geben. Sein Sohn Cord Hilmer, der nach Nordamerika auswanderte, wird mindestens dieselbe Aussteuer erhalten haben; und sein Sohn Johann, der Hoferbe, hat den Hof bestimmt ohne Schuldenlast übernommen. Das war eine gewaltige Leistung für den damals kleinen Geesthof. Man muß dabei die geringen Werte der landwirtschaftlichen Produkte und auch des Landes selbst berücksichtigen. Über die Mitgift der Töchter hat sich der vorsichtige Arend Hinrich von jedem Schwiegersohn eine Quittung ausstellen lassen, die jetzt noch in Bünte aufbewahrt werden.

Der Hoferbe und Stammhalter der Familie war Johann Buschmann, geb. 29.1.1814. Er heiratete am 15.12.1843 die Witwe Rebeke Margarete Wichmann in Feine bei Brinkum. Sie war die Tochter des Vollmeiers Meyer-Gödestorf, wo sie am 5.6.1819 geboren wurde. Ihr erster Mann, der Bauer Wichmann in Feine, nach Feine zog und den Wichmannschen Hof als Interimswirt bewirtschaftete, bis die Tochter seiner Frau aus erster Ehe großjährig geworden war und den Mühlenbesitzer Steffens aus Heiligenrode geheiratet hatte. So kommt es, daß die vier folgenden Kinder in Feine und nicht in Bünte geboren wurden:

Johann Buschmann mit Ehefrau und Kindern

Johann Buschmann mit Ehefrau und Kindern

  1. Cord Heinrich, geb. 22.11.1847 in Feine, der Hoferbe von Bünte
  2. Anna Adelheid Marie, geb. 27.3.1850 in Feine, verheiratet mit Lohmann, Brinkum
  3. Johann Heinrich, geb. 13.1.1853 in Feine, Besitzer von Buschmanns Hotel in Bassum
  4. Wilhelm, geb. 17.7.1857 in Feine, Bauer in Bramstedt

Den Bünter Hof bewirtschaftete, während Johann in Feine war, nach wie vor Arend Hinrich bis zu seinem am 4.8.1865 erfolgten Tode. Seine Lebensgefährtin war ihm am 18.10.1862 im Tode vorangegangen. Um die Zeit wird Johann Buschmann den Hof in Feine verlassen haben und nach Bünte übergesiedelt sein, zumal seine Frau bereits am 6.4.1858, ein Jahr nach der Geburt ihres Sohnes Wilhelm, verstorben war. Johann Buschmann starb in Bünte am 26.3.1870.

Den Hof übernahm dann sein ältester Sohn Cord Heinrich Buschmann in einer sehr ernsten Lage. Seine Schwester Anna war allerdings erst 20 Jahre, hätte ihm, dem Dreiundzwanzigjährigen, aber doch eine gute Hilfe im Haushalt sein können. Aber sie war verlobt mit dem Bauern Hinrich Lohmann in Brinkum. Die Hochzeit fand im Mai desselben Jahres statt. Anna nahm zwar ihren jüngsten Bruder, den zwölfjährigen Wilhelm, der doch noch sehr der schwesterlichen Betreuung bedurfte, mit nach Brinkum.

Cord Heinrich Buschmann

Cord Heinrich Buschmann

Schwer lastete die Sorge auf dem jungen Bünter Bauern, der den Hof mit seinem 17jährigen Bruder Johann bewirtschaftete. Die Sorge wurde noch größer, als kurze Zeit darauf der deutsch-französische Krieg ausbrach und Cord Heinrich zur Fahne eingezogen wurde. Die ganze Last blieb auf dem 17jährigen Johann hängen. Mit unverdrossenem Mut hat er den Hof bewirtschaftet, bis sein Bruder aus dem Felde zurückkehrte. Nachdem die Unruhe, die jeder Krieg mit sich bringt, überwunden war, heiratete Cord Heinrich die Tochter des Bauern Nordmann in Stütelberg, Margarete Nordmann, geb. 14.10.1855, die auch Erbin des Hofes war, der in der Nachbarschaft von Bünte liegt. Die Hochzeit fand am 2.4.1875 statt. Der Ehe sind folgende drei Kinder entsprossen:

  1. Johann, geb. 4.6.1879, er wurde der Hoferbe
  2. Anna, geb. 20.11.1883, sie heiratete den Bauern Hinrich Reinecke in Nienstedt
  3. Heinrich, geb. 27.7.1889, er wurde der Erbe des mütterlichen Hofes in Stütelberg

Johann übernahm den väterlichen Hof, nachdem sein Vater am 23.1.1907 verstorben war. Er heiratete am 26.9.1912 die Tochter des Bauern Bruns in Bramstedt, Marie Bruns, geb. 11.2.1887.

Johann Buschmann

Johann Buschmann

Ein ähnliches Schicksal wie seinen Vater traf auch ihn. Kurze Zeit nachdem er den Hof übernommen hatte, brach der erste Weltkrieg aus und Johann wurde sofort zum Heeresdienst eingezogen. Schon bald ereilte ihn das traurige Soldatenlos. Er fiel am 18. 9. 1915 in Rußland. Kurze Zeit vorher hatte er noch die Freude, seinen Sohn und Stammhalter Heinz zu sehen, der am 2. 12. 1914 geboren wurde.

Frau Marie hat sich von dem Schicksalsschlag aber nicht unterkriegen lassen. Mit Mut und Geschick hat sie die Verwaltung

Marie Buschmann (Oben Mitte)

Marie Buschmann (Oben Mitte)

des Hofes in die Hand genommen, unterstützt von ihren Brüdern und von ihrer Schwiegermutter Margarete geb. Nordmann, die am 6. 5. 1938 in Stütelberg nach arbeitsreichem Leben verstarb. Frau Marie hat den Hof auf eine vorbildliche Höhe gebracht. Und dies war für sie eine große Befriedigung, als sie den Hof ihrem Sohn Heinz übergeben konnte.

 

Heinz Buschmann

Heinz Buschmann

Heinz Buschmann, geb. 2.12.1914, erhielt eine sehr gute Lehre auf dem Hof seines Onkels Johann Bruns, Ochtmanien, und unterstützte dann seine Mutter bei der Verwaltung des Bünter Hofes, bis wiederum der unselige Krieg ausbrach und der gemeinsamen, erfolgreichen Arbeit ein Ende machte.Heinz genügte zu der Zeit gerade seiner Militärpflicht. Er kam bald an die Front.

Hochzeit Heinz und Frieda Buschmann

Hochzeit Heinz und Frieda Buschmann

Im letzten Kriegsjahr erhielt er an der Ostfront eine schwere Verwundung und geriet in amerikanische Gefangenschaft. Nach Heilung und Entlassung aus der Gefangenschaft übernahm er im Spätherbst 1945 den elterlichen Hof und konnte so seiner Mutter die große Sorge und Arbeitslast abnehmen.

Er verheiratete sich am 9.7.1946 mit Frieda Barking, die am 30.10.1916 als Tochter des Bauern Barking in Aldorf bei Barnstorf geboren wurde.

 

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